Fronleichnam: Als Zeugen des Glaubens auf die Straße gehen

Fronleichnam ist ein seltsamer Feiertag.

Zuerst einmal ist dieses Hochfest in zehn deutschen Bundesländern gar kein Feiertag. Das zeugt schon von der geringen Wertschätzung, die das Fest erhält. Und selbst in den katholisch geprägten Bundesländern tun sich die meisten Bürger wahrscheinlich schwer damit zu sagen, was wir hier eigentlich genau feiern. Dabei ist es recht simpel: am Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi, wie es eigentlich heißt, feiern wir genau das: dass Jesus Christus in Brot und Wein leiblich in unserer Mitte gegenwärtig ist. Eigentlich feiern wir das jeden Sonntag in der Eucharistie. Aber die Dinge, die wir in regelmäßigen und kurzen Abständen wiederholen, wie eben die sonntägliche Eucharistiefeier, verlieren zuweilen die ihnen zustehende Bedeutung. Dabei ist dies eins der großen Geschenke Gottes an uns: Er ist nicht nur Mensch geworden, für uns gestorben, hat den Tod besiegt und ist in den Himmel aufgefahren; er bleibt uns auch weiterhin treu, er ist in unserer Mitte und erneuert sein Geschenk an uns immer wieder. Dass der Termin für dieses Hochfest der Eucharistie 60 Tage nach Ostern immer auf einen Donnerstag fällt, ist kein Zufall. Es steht in direkter Verbindung mit dem Gründonnerstag, an dem wir ebenfalls der Einsetzung der Eucharistie durch Christus gedenken. Doch am Gründonnerstag passiert so viel: die Fußwaschung, verbunden mit dem Liebesgebot; das Gedenken an das Gebet Jesu am Ölberg; schließlich die Verhaftung Jesu. Und dann sind wir in Gedanken ja oft auch schon beim Karfreitag und dem anschließenden Osterfest. Da gehen die eucharistischen Worte, die im Johannes-Evangelium auch gar nicht vorkommen, schnell unter. “Nehmt, das ist mein Leib […]. Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.” (Mk 14, 22-24) Deshalb hören wir diese Worte an Fronleichnam und erinnern uns: Dies sind wahrhaftig der Leib und das Blut Christi.

 

Aber nicht genug damit, dass wir uns selbst daran erinnern: An Fronleichnam ist es Tradition, dass wir Katholiken im wahrsten Sinn des Wortes auf die Straße gehen und diese Botschaft der Welt kundtun. Es fällt uns oft schwer, für unseren Glauben in der Öffentlichkeit einzustehen. Viele wissen wahrscheinlich gar nicht, wie sie das tun sollen. Wer stellt sich schon freiwillig auf einen öffentlichen Platz und liest aus dem Evangelium vor? Aber an Fronleichnam tun wir genau das, und zwar alle zusammen. Wir verkünden der Welt nicht nur die Worte Christi, wir zeigen ihr ihn! Und wir tun dies mit allem, was die katholische Kirche zu bieten hat: Priester und Ordensleute; Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft; Angehörige der Hilfsorganisationen und Sozialverbände wie etwa der Caritas, des Malteser Hilfsdiensts oder des Kolpingwerks; und natürlich auch uns katholischen Verbindungsstudenten des Cartellverbands. Zusammen zeigen wir unseren Mitbürgern, dass es uns noch gibt. Am helllichten Tag treten wir aus unseren Kirchen heraus in die Öffentlichkeit und setzen ein Zeichen für unseren Glauben. In großen Rahmen im katholischen Süden und Westen Deutschlands. Aber auch in kleinerem Rahmen im protestantischen Norden und in den neuen Bundesländern, in denen der Katholikenanteil bei unter 5% liegt. Gemeinsam treten wir für das Evangelium ein und bestärken uns gegenseitig in unserem Glauben.

 

Fronleichnam ist ein schöner Feiertag!

 

Kontakt: benedict.wild [at] cartellverband.de

Die in diesem Blog veröffentlichten Beiträge geben ausschließlich die persönliche Meinung des jeweiligen Autors wieder, die nicht notwendigerweise der Mehrheitsmeinung des Cartellverbandes entsprechen muss. Sie dienen als Impuls und Diskussionsansatz.

Sterbehilfe – klare gesetzliche Regelung ist erforderlich

Sterbehilfe – das Thema ist im Augenblick ein wesentlicher Teil der öffentlichen Diskussion. Der CV-Studentenbund im Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen hatte deshalb den Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Professor Dr. Ferdinand Kirchhof, eingeladen, die rechtlichen Fragen der Sterbehilfe zu erläutern. Mehr als hundert Zuhörer aus den verschiedensten Altersgruppen nahmen an der Vortragsveranstaltung im Mannheimer Alfred Delp-Haus teil.

Professor Kirchhof beschrieb den Zuhörern die Sensibilität des Themas, das einerseits moralischen und religiösen Argumenten sowie auch dem Rückblick auf die Euthanasie in den Jahren 1933 bis 1945 unterworfen sei. Der religiöse Aspekt besage, Gott habe dem Menschen das Leben geschenkt, und dieser dürfe nicht selbst darüber verfügen. Aus anderer Sicht beinhalte die grundgesetzlich garantierte Freiheit des Menschen auch die Beendigung des eigenen Lebens. Die derzeitige Debatte im Bundestag gehe darum, ob jede Sterbehilfe unter Strafe gestellt werden oder der individuellen Entscheidung freigegeben werden solle. Dabei könne der religiöse Aspekt sie nicht einschränken, da die Religionsfreiheit als Schutz individueller Überzeugung einen generellen Zwang für andere nicht zulasse.

Die Selbsttötung eines Menschen sei durch das Strafrecht nicht zu verhindern, weil der Täter dann tot sei und nicht mehr belangt werden könne. Greifbar wäre allein noch der Gehilfe. Die Selbsttötung sei jedoch straffrei, und da dann keine Haupttat im strafrechtlichen Sinne gegeben sei, sei auch die Beihilfe straffrei. Regelungsbedürftig sei in diesem Zusammenhang die Frage, was mit der unterlassenen Hilfeleistung des Arztes geschehe und was von ihm erwartet werde. Und auch der Sterbende selbst müsse wissen, was für seine Hilfe gelte. Strafbar sei es aber in jedem Fall, einen anderen Menschen auf dessen Verlangen hin zu töten. Verordne der Arzt jedoch einem Todkranken mit starken Schmerzen ein Schmerzmittel, das zwar die Schmerzen bekämpfe, gleichzeitig jedoch tödliche Nebenwirkungen haben könne, sei dies straffrei. Gleichfalls sei das Unterlassen oder der Abbruch lebensverlängernder Therapien auf Wunsch des Todkranken für einen Arzt straffrei.

Die rechtliche Gestaltung der Sterbehilfe stelle nicht unbedeutende Verfassungsfragen, die rechtlich noch nicht geklärt seien. Es könnte sein, dass das Grundrecht auf Handlungsfreiheit aus Art. 2 Abs. 1 GG jedem auch ein Recht gebe, über sein Leben zu entscheiden, Art. 2 Abs. 2 GG hingegen auch in diesen Fällen dem Staat eine Schutzpflicht für das Leben jedes Bürgers auferlege. Hier sei noch zu ermitteln, wie der Widerspruch zwischen beiden Grundrechten bei der Sterbehilfe aufgelöst werden könne.

Im engeren Rahmen verbiete das ärztliche Berufsrecht in den meisten Ländern strikt eine Sterbehilfe. Auch sei zivilrechtlich vorgegeben, dass Therapiemaßnahmen vom Arzt nur mit Einverständnis des Patienten vorgenommen werden könnten. Insofern gebe eine Patientenverfügung den Ausschlag. Das Unterlassen von Hilfemaßnahmen aufgrund des Willens des Patienten sei zulässig. Die Entscheidung über diese Patientenverfügung sei im Hinblick auf deren Klarheit und die vollwertige Entscheidungsfähigkeit des Patienten jedoch nicht unproblematisch.

Solle die aktive Sterbehilfe zugelassen werden, müsse diese Sterbehilfe auf jeden Fall fachlich begleitet werden. Auch müsse geklärt werden, welche Motivation des Todkranken die Sterbehilfe zulasse. So könne die Motivation darin liegen, dass die Sterbehilfe dem Patienten Schmerzen ersparen solle. Andererseits habe die Medizin aber schmerzstillende Mittel. Ein weiterer Motivationsgrund des Patienten könne sein, dass er mehr Angst vor der Einsamkeit als vor dem Leiden habe. Das Problem der Einsamkeit könne aber beseitigt werden durch Maßnahmen wie Palliativmedizin oder ein Hospiz. Auch stelle sich die Frage nach einer Regelung, wie darauf zu reagieren sei, wenn der Kranke nicht mehr leben möchte, um nicht mehr betreut werden zu müssen.

Eine Zulassung der Sterbehilfe setze auf jeden Fall folgende Regelungen voraus:

  • Ausschlaggebend ist in jedem Fall der Wille des Sterbenden. Argumente anderer Personen dürfen auf die Entscheidung keinen Einfluss nehmen, und auch die Interessen anderer Menschen dürfen nicht den Ausschlag geben.
  • Der Mediziner ist nicht Fachmann für die Bewertung des Lebenswillens. Auch kann Fachwissen den Willen des Sterbenden nicht ersetzen.
  • Der Wille des Sterbenden muss sorgfältig gebildet sein. Dafür muss in jedem Fall die Gelegenheit bestehen. Die betreffende Person muss zur Willensbildung in der Lage sein, was die Sterbehilfe etwa für Kinder oder geistig behinderte Menschen in Frage stellt.

Ein weiterer Regelungspunkt sei, dass der dem Bundestag vorliegende Gesetzentwurf eine gewerbsmäßige Sterbehilfe verdrängen will. In Ländern, in denen sie zulässig sei, wie beispielsweise in der Schweiz, geschehe die Sterbehilfe durchaus nicht nur aus Barmherzigkeit gegenüber einem Menschen, der sein Leben beenden wolle, sondern auch als Geschäft. Der Gesetzentwurf sehe den Tod als Geschäftsmodell nicht tragbar.

Geregelt werden müsse auch, wer Sterbehilfe und auch eine entsprechende Beratung leisten darf. Für diese Zulässigkeit sei die Konzentration auf Ärzte geboten. Regelungsbedürftig sei auch, in welcher Lebenssituation Sterbehilfe zulässig sein soll und welche Erkrankungen die Zulässigkeit der Sterbehilfe begründen können. Dies sei wohl nur in extremen Situationen möglich, wenn aufgrund der Krankheit ein erträgliches Leben nicht mehr möglich sei. Nur ein solcher Leidensdruck könne den Ausschlag geben, nicht jedoch eine geringere künftige Entfaltungsmöglichkeit für das weitere Leben.

Eine Fülle von Fragen im Anschluss an den Vortrag von Professor Kirchhof machte deutlich, dass dieser und das Thema die Zuhörer intensiv beschäftigten.

Text von Cbr. Wolfgang Braun, Pressesprecher des Cartellverbands

Vorort läuft Halbmarathon und bittet um Spenden für CV-Afrikahilfe

Wenn man sich das Thema „Engagement“ als Leitthema für das Vorortsjahr wählt, dann läuft man recht schnell Gefahr, sich in der Breite dieses Wortes zu verlieren. Es klingt ambitioniert, ohne pathetisch zu wirken. Es liefert reichlich Futter für zahlreiche Reden, interessante Vorträge und kluge Positionspapiere, immer getreu dem Motto: Papier ist geduldig. Zudem ist der Begriff unpräzise genug, sodass am Ende des Vorortsjahres die tatsächliche Auseinandersetzung mit der Thematik nur schwerlich nachvollzogen werden kann. Und seien wir mal ehrlich, wer erinnert sich schon an die Themen der letzten Vororte?

Wir, als Vorort, möchten jedoch, dass unser Leitthema nicht in einer leeren Worthülse erstarrt, sondern möchten den Begriff ‚Engagement‘ zumindest ein Stück weit auch mit Leben füllen. Sicherlich, durch unsere Verbandsarbeit leisten wir ein Ehrenamt und können uns damit in die Reihe der – je nach Schätzung – 17 bis 23 Millionen Ehrenamtlichen – oder besser Engagierten – eingliedern. Wir sind jedoch der festen Überzeugung, dass das Wort Engagement auch immer eine Aufforderung zur konkreten Handlungen beinhaltet, die über unsere reinen Dienstgeschäfte hinausgeht.

Denn traditionell sehen wir uns als katholischer Verband dazu verpflichtet eine aktive Rolle in der Gesellschaft wahrzunehmen und soziale Verantwortung zu übernehmen. Dass das Engagement schon bei vielen Bünden im Verbindungsalltag gelebt wird, konnten wir auch in der Vorbereitung für diese Academia-Ausgabe sehen. Aus diesem Grund wollen wir als studentischer Vorstand des Cartellverbands nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern uns wie unsere Cartellbrüder konkret engagieren.

Nun sind die Vorortschargen leider über die gesamte Republik verstreut und auch die Amtsperiode von einem Jahr setzt uns natürliche Grenzen. Aus diesem Grund sahen wir uns gezwungen nur mittelbar unser Engagement zu leisten. Dazu wollten wir die CV-Afrika-Hilfe, die sich seit Jahrzehnten für die Schwächsten in Afrika engagiert, mit einer Geldspende unterstützen. Um uns die Sache nicht allzu leicht zu machen, wollten wir auf eine andere Art Spenden sammeln: Der ein oder andere mag nun an eine Aktion in Anlehnung an die Wohltätigkeitsarbeit eines bekannten Bierbrauers denken, die im Umfeld von Studentenverbindungen vielleicht am nächsten liegt. Wir haben uns allerdings doch für die wahrscheinlich gesündere Variante entschieden und einen Spendenlauf veranstaltet, bei dem vier Vorortschargen einen Halbmarathon liefen.

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Am 26. April 2015 liefen wir den SAS Halbmarathons der TSG 78 Heidelberg mit. Die Strecke zeichnet sich durch ein extrem anspruchsvolles Höhenprofil aus, bei dem insgesamt 400 Höhenmeter zurückgelegt werden müssen. Dies führt dazu, dass der Streckenrekord auch gut 10 Minuten über dem deutschen Halbmarathonrekord liegt. Umso erfreulicher ist es, dass alle vier teilnehmenden Vorortschargen die knapp 21,1 km in weniger als zwei Stunden liefen!

Auch wenn wir den Halbmarathon nun hinter uns gebracht haben, freuen wir uns auch weiterhin über Spenden zugunsten der CV-Afrika-Hilfe. Wenn ihr unser sportliches Engagement noch nachträglich unterstützen möchtet, richtet eure Spende bitte an folgendes Konto:

CV-Afrika-Hilfe e.V.

Pax-Bank Köln

IBAN: DE 12 3706 0193 0016 8000 15

Verwendungszweck: CV Spendenlauf 2015

Auf Wunsch stellen wir euch gerne eine Spendenquittung aus.

Der gesamte Erlös des Spendenlaufs wird dann der CV-Afrika-Hilfe zukommen. Wenn Ihr uns auf anderem Wege unterstützen möchtet oder Rückfragen habt, schreibt bitte an

vo-hr [at] cartellverband.de

 

Wir bedanken uns im Namen der CV-Afrika-Hilfe!

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Kontakt: kristoffer.uhlenkamp [at] cartellverband.de

Im Dialog mit Kirche und Politik – Das AGV Seminar in München

Die meisten Mitglieder des Cartellverbands kennen die Argebeitgemeinschaft der katholischen Studentenverbände (AGV) gar nicht. Das ist vor allem insofern erschreckend, als dass die AGV die Interessen von 10.000 Studentinnen und Studenten aus dem CV, dem KV, dem Unitas-Verband (UV), dem Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften (RKDB) und dem Technischen Cartellverband (TCV) vertritt und damit noch vor den parteinahen hochschulpolitischen Gruppen (RCDS, Liberale Hochschulgruppe, Grüne Hochschulgruppe, Juso Hochschulgruppen, etc.) die zweitgrößte Studentenvertretung in Deutschland nach dem Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) ist.

DSC_0002Im Verlauf des Dialogprogramms der AGV in München (21.-23. April 2015) hat sich wieder gezeigt, dass die AGV auch tatsächlich Zugang zu den Entscheidungsträgern in Kirche, Gesellschaft und Politik findet und ihre Anliegen diesen direkt vorbringen kann. Das Seminar begann mit einem Gespräch mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister und Namensgeber des Euro, Dr. Theo Waigel. Nach seinen Ausführungen zur Geschichte und zur aktuellen Situation der Europäischen Union und des Euro, ging es im nächsten Gespräch um die Wissenschafts- und Hochschulpolitik. Der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Dr. Ludwig Spaenle sprach über die Zukunft von Exzellenzinitiative, Hochschulfinanzierung und Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Den ersten Tag beschlossen eine Gesprächsrunde mit Wolfgang Kipper, Leiter der Redaktion Religion und Kirche beim Bayerischen Rundfunk, und das Abendessen im Augustinerbräu.

Der Höhepunkt folgte am morgen des zweiten Tages, als die Teilnehmer im Erzbischöflichen Palais vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx empfangen wurden. Der Münchner Erzbischof ist der AGV und ihren Mitgliedsverbänden seit Studienzeiten eng verbunden und bezeichnete die katholischen Verbindungen als wichtiges Element der kirchlichen Pastoral und des katholischen Lebens in Deutschland. Das Nachmittagsprogramm fand im Bayerischen Landtag statt, wo trotz laufender Sitzungen im Plenarsaal nacheinander der Finanzstaatssekretär, Cbr Johannes Hintersberger, der ehemalige bayerischen Wissenschaftsminister Thomas Goppel (KV) und der bayerische Innenminister, Cbr Joachim Herrmann, über aktuelle Ereignisse in ihren jeweiligen Ressorts referierten. Die Einladung zur AGV-Kneipe am selben Abend auf dem Haus des K.St.V. Erwinia (KV) mussten alle drei leider mit Bedauern aufgrund von Terminkonflikten ausschlagen.DSC_0045

Am letzten Tag diskutierten die Vororts-Vertreter von CV, KV und UV, der Ringpräsident des RKDB und der AGV-Vorstand über zukünftige Aktivitäten der AGV und eine mögliche Positionierung zur aktuellen Flüchtlingsthematik. Das Seminar endete schließlich mit einem Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Wiedenfeld, der aus seiner langjährigen Erfahrung als Berater von Deutschlands Spitzenpolitikern erzählte.

Das Seminar hat eindrucksvoll gezeigt, dass das katholische Verbändewesen auch nach wie vor eine wichtige Rolle in Deutschland spielt. Wichtige Entscheidungsträger kommen entweder direkt aus unseren eigenen Reihen oder nehmen doch zumindest unsere Anliegen ernst. Abschließend bleibt nur zu wünschen, dass wir als größter Mitgliedsverband der AGV es in Zukunft schaffen, mehr Präsenz in diesem Verband zu zeigen und die Möglichkeiten, die sich uns dadurch bieten, effektiver zu nutzen.

Kontakt: benedict.wild [at] cartellverband.de

Christus ist auferstanden, ja, er ist wahrhaft auferstanden

von Cbr. Edmund Dillinger

Auf der geschichtlichen Wahrheit der Auferstehung ruht die gesamte Heilsbotschaft. Die Apostel als die von Christus bestellten Zeugen der Auferstehung und die Evangelisten haben das Erdenleben Jesu Christi bezeugt und dem Bericht über die Auferstehung Jesu besondere Sorgfalt geschenkt. Alle vier Evangelien berichten die Auferstehung. Es gibt zwei Überlieferungen: die galiläische (Matthäus, Markus, Johannes 21) und die jerusalemische (Lukas, Apostelgeschichte, Johannes 20). Zuerst wurde das Erlebnis mündlich verkündet, dann auch schriftlich aufgezeichnet.

Die Auferstehung Jesu, die Vollendung des Erlösungswerkes Christi, ist das wichtigste und wirkmächtigste Heilsereignis. Davon Zeugnis zu geben vor den Menschen war die erste und die Hauptaufgabe der Apostel. Das stellen wir bei der Wahl des Apostels Mathias fest: „So muss denn aus den Männern, die mit uns zusammen waren in der ganzen Zeit …, einer Zeuge seiner Auferstehung werden“ (Apg. 1, 21-22). Die Auferstehung ist das Hauptstück der Predigt der Apostel: „Wäre Christus nicht auferstanden, wäre nichtig unsere Predigt, sinnlos auch euer Glaube“ (1. Kor 15, 3-8, 14). (…) Jesus selbst zeigte den Jüngern beim Gang nach Emmaus, wie das ganze Alte Testament auf die Auferstehung hinweist. In diesem Pascha-Geheimnis Christi, in der Heilstat des erlösenden, seligmachenden Leidens, Sterbens und Auferstehens, ist wie in einem Brennpunkt die ganze alttestamentliche Wort- und Tatoffenbarung, der alttestamentliche Kult und sein Priestertum und das ganze neutestamentliche Heilswerk Jesu zusammengefasst.

Ostern feiern wir nicht nur an einem Tag im Jahr, sondern es steht im Mittelpunkt des ganzen Lebens der Kirche, Ostern feiern ist der tiefere Sinn aller Gottesdienste der Kirche. „Täglich werden in der Eucharistie Sieg und Triumph seines Todes und seiner Auferstehung dargestellt“ (Lit Konst Art 47). Der Sonntag ist für die Kirche der Urfeiertag, der „Tag des Herrn“, Kern des ganzen liturgischen Jahres. Er ist das wöchentliche Paschafest (Lit Konst Art. 106). Auch an den Festen der Mutter Maria und der Heiligen feiern wir das Pascha-Mysterium, denn mit Christus haben sie gelitten, mit ihm sind sie verherrlicht. Die Osternacht, die Nacht der Auferstehung Jesu, ist deshalb die heiligste Feier.

Mit der Auferstehung hat sich unsere Erlösung vollzogen, das größte Geheimnis unseres Glaubens. Am Ostermorgen, als der Engel des Herrn herniederstieg, entstand ein großes Erdbeben. Auch in der Todesstunde Jesu bebte die Erde, die Felsen spalteten sich, die Gräber öffneten sich, auch viele Leiber von verstorbenen Heiligen standen auf. Dieses Erdbeben zeigte sinnbildlich an, dass durch den Tod und die Auferstehung Jesu die neue Schöpfung bereits begonnen hat. Die Gräber und die Unterwelt konnten ihre Toten nicht mehr halten. Die Herrschaft des Todes war überwunden, die Herrschaft des Lebens begann. Jesus zeigte, dass er „die Auferstehung und das Leben“ ist.

Der Satan hatte von Anfang an versucht, das Heilshandeln Jesu durcheinander zu bringen. Er versuchte Jesus in der Wüste, der stiftete die Feinde Jesu an ihn zu kreuzigen. Aber in dem Augenblick des Scheinsieges, da Jesus starb, trat die große Osterwende ein. Jesus stieg nach seinem Tod in die Unterwelt, in das Reich des Todes hinab; aber nicht als Gefangener, sondern als Befreier, nicht als Toter, sondern als Lebendiger, nicht als Besiegter, sondern als Sieger.

dillingerCbr. Edmund Dillinger (Vc) empfing seine Priesterweihe 1961 und war CV Seelsorger von 1970-1982. Er gründete die KDStV Churtrier und die CV-Afrika-Hilfe e.V. Heute lebt er im Saarland.

Die hier dokumentierte Meditation zur Osternacht ist Band 5 seiner Predigten-Reihe, erschienen 2014 im Ecclesia Verlag, entnommen und mit seiner Genehmigung gekürzt worden. An seiner Predigten-Reihe interessierte Cartellbrüder können sich gerne, zwecks Bezug seiner Schriften, bei ihm melden.

Bildquelle des Titelbildes: http://www.pfarreiengemeinschaft-unterwegs.de/

Einigkeit in Vielfalt – Das 3-Verbände-Fuxenwochenende in München

Über 100 Füxe und ihre Fuxmajores aus CV, ÖCV und SchwStv erlebten vom 20. bis 22. März ein ereignisreiches Wochenende in München mit Vorträgen, Besichtigungen und nicht zuletzt der Kneipe am Samstagabend. Unter dem Motto „Einig in Vielfalt“ war das Ziel, allen Teilnehmern und natürlich im Besonderen den Füxen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den drei Verbänden aus Deutschland, Österreich und Schweiz aufzuzeigen und von- und übereinander zu lernen. Bei der Organisation und Durchführung des Wochenendes war die Hilfe und Unterstützung durch mehrere Münchner CV-Bünde ein zentraler Aspekt für das Gelingen der Veranstaltung.

Das Wochenende begann am Freitagnachmittag mit der Anreise der Teilnehmer und dem Begrüßungsabend auf dem Haus der KDStV Vandalia Prag zu München. Nach einer gemeinsamen Stafette als Team Building-Maßnahme und der Begrüßung durch die Vertreter der drei Verbände – SchwStv CP Matthias Frei v/o Atom, ÖCV-VOP Lorenz Konrad Stöckl v/o Tux und der Auslandsreferent des Cartellverbands, Tobias Rüttershoff – konnten die Teilnehmer beim gemeinsamen Abendessen die ersten Kontakte knüpfen. Für viele ging die Nacht dann noch auf einem der anderen Münchner CV-Häuser weiter.

Am Samstag konnten wir dann als Gäste bei der KDStV Aenania etwas über die Entstehungsgeschichte aller drei Verbände hören und dabei auch interessante Parallelen feststellen. Hiernach ging es dann, aufgeteilt in verschiedene Gruppen, zur couleurstudentischen Stadtführung von VO-HPR Cbr. Benedict Wild, sowie in ausgewählte Museen und Sehenswürdigkeiten (Deutsches Museum, Neue Pinakothek, Münchner Residenz). Am Nachmittag trafen sich dann alle Teilnehmer wieder auf dem Aenanen-Haus, um den Vortrag von Cbr. Pater Mag. Andreas Robitschko OSB, seines Zeichens Verbandsseelsorger des ÖCV, zum Thema „Christ sein in der Gegenwart“ zu hören. In seinem bewegenden und teils sehr persönlichen Vortrag, gab Cbr. Robitschko einen Einblick wie herausfordernd Christ sein, gerade als Couleurstudent und Akademiker, in der heutigen Zeit sein kann und wie wir uns und unsere persönliche Lebensweise immer hinterfragen müssen. Passend zu diesem Vortrag, besuchten die Teilnehmer im Anschluss die hl. Messe in der Universitätskirche St. Ludwig.

Am Samstagabend fand mit der gemeinsamen Kneipe schließlich der Höhepunkt des Wochenendes statt. Der zum Bersten gefüllte Kneipsaal der KDStV Tuiskonia erlebte eine gemeinsam geschlagene Kneipe, bei denen die Unterschiede zwischen den verschiedenen nationalen Traditionen doch noch einmal deutlich hervortraten, was dem Unterhaltungswert der Kneipe jedoch keinesfalls abträglich war.

Schlussendlich fanden sich alle Teilnehmer am Sonntagvormittag zum Weißwurstfrühstück bei der KDStV Vindelicia zusammen, wo man bei Würstl, Brez’n und Weißbier die Erlebnisse der vergangenen Tage austauschen konnte, bevor es wieder in die Heimatländer bzw. –städte ging. Insgesamt war das nunmehr dritte 3-Verbände-Fuxenwochenende ein voller Erfolg und die Füxe haben hoffentlich viele spannende Einblicke in die jeweils anderen Verbände bekommen.

Vom Vatikan und Dosenbier

Eine tolle Mischung aus Besichtigungen der Attraktionen Roms, Gesprächen mit Geistlichen, Journalisten und Diplomaten sowie couleurstudentischer Aktivität konnten die Teilnehmer des AGV-Seminars „Der Vatikan als Zentrum der Weltkirche“ in Rom erleben. Knapp 20 Personen, bestehend aus dem AGV-Vorstand und den Vororten von CV, KV und UV, verbrachten vom 8. bis 12. März fünf sonnige Tage in der Ewigen Stadt.

Höhepunkt des Seminars war die Teilnahme an der Generalaudienz mit S. Hl. Papst Franziskus am Mittwochvormittag. Im Anschluss an diese konnten die drei anwesenden Vorortspräsidenten sowie der AGV-Vorsitzende sogar kurz den Heiligen Vater begegnen und diesem die Hand schütteln. Doch auch nach diesem bewegenden Moment für die vier Auserkorenen litt die Hygiene während des Seminars nicht, da sich alle „Händeschüttler“ trotzdem weiterhin die Hände wuschen.

Auch neben der Generalaudienz konnten die Seminarteilnehmer einiges von der Vatikanstadt sehen und „den Vatikan als Zentrum der Weltkirche“ erleben. Neben einer Führung durch die Vatikanischen Museen und Gärten sowie durch die Scavi, die Ausgrabungen unter dem Petersdom mitsamt dem Petrusgrab, vermochten vor allem die Gespräche mit S.E. Cbr. Bischof Dr. Josef Clemens (Cp) sowie S.Em. Gerhard Ludwig Kardinal Müller den Teilnehmern ein Bild vom Innenleben des Vatikanstaats zu vermitteln. Insbesondere wurde immer wieder das Pontifikat Papst Franziskus’ sowie die geplante Kurienreform und die Familiensynode Gesprächsgegenstand. Ein weiterer Höhepunkt innerhalb des Vatikans war die Hl. Messe mit S.Em. Cbr. Walter Kardinal Brandmüller (Cp).

Doch auch außerhalb der Mauern (und damit Grenzen) des Vatikanstaats hatte das vom AGV-Vorstand hervorragend organisierte Seminar einiges zu bieten. Die Gespräche mit den Journalisten P. Bernd Hagenkord SJ (Radio Vatikan) und Dr. Jörg Bremer von der FAZ boten uns Seminarteilnehmern die Gelegenheit, die Geschehnisse im Vatikan von außen zu betrachten. Es bliebe mit Spannung abzuwarten, wie die vom Heiligen Vater angestoßenen Reformen fortgeführt werden, waren sich die beiden einig. Dies sagte auch die Deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl, Bundesministerin a.D. Annette Schavan, die die Seminarteilnehmer im Botschaftsgebäude empfing. Neben ihren interessanten Ausführungen zu ihrer Tätigkeit als Botschafterin wird auch das imposante Botschaftsgrundstück in Erinnerung bleiben.

Eine gelungene (und willkommene) Abwechslung zum sehr schönen, aber auch intensiven Programm war schließlich die Kneipe auf der Bude der Capitolina. Geschlagen vom AGV-Vorstand, konnten sich die Seminarteilnehmer zusammen mit dem guten Dutzend Cartellbrüdern der Capitolina einen schönen Abschlussabend machen. Für viele war zwar neu, während einer Kneipe Dosenbier zu trinken, doch aufgrund der hervorragenden Qualität des italienischen Bieres tat dieses Novum der guten Stimmung keinen Abbruch! Zuletzt ist der Capitolina ein Dank für die großartige und cartellbrüderliche Gastfreundschaft während der Kneipe und des gesamten Seminars auszusprechen. So kann man festhalten: Die Ewige Stadt ist eine Reise wert – religiös, kulturell, kulinarisch. Und auch couleurstudentisch.

Plötzensee

Die Rede des Vorortspräsidenten zum Gedenkakt im Ökumenischen Gedenkzentrum Plötzensee:

„Eure Exzellenz Erzbischof Dr. Eterovic, Monsignores und Hochwürdige Herren, sehr geehrter Herr Pfarrer Maillard, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Cartellbrüder,

IMG_4675es freut mich sehr, dass Ihr und Sie den teilweise weiten Weg nach Berlin auf Euch genommen habt. Ich danken Ihnen Eure Exzellenz, dass Sie eben mit uns zusammen die Hl. Messe gefeiert haben und nun auch in diesem Gedenkakt ihre Gedanken mit uns teilen.

Wir treffen uns hier und heute im nass-kalten und stürmischen Berliner Januar. Januar, dies ist auch in gewisser Weise ein allgemeiner deutscher Schicksalsmonat. Am 30. Januar 1933 mit der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler begann das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Die Nationalsozialisten übernahmen an diesem Tag die Macht in Deutschland und liquidierten innerhalb weniger Wochen die erste Demokratie auf deutschem Boden und mit ihr die Zivilgesellschaft. Nur zwölf Jahre später – die jedoch einer Ewigkeit des Grauens gleichkamen – befreite die Rote Armee am 27. Januar 1945 das Vernichtungslager Auschwitz, das zum Symbol der menschenverachtender Brutalität des nationalsozialistischen Regimes und staatlich organisierten Völkermords geworden ist. In seiner Singularität des Grauens überstrahlt der Holocaust die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Jedoch ist es richtig und wichtig auch aller zu gedenken, die sich aus ihrem christlichen Glauben heraus den Nationalsozialisten in den Weg gestellt und dafür mit ihrem Leben bezahlt haben.

IMG_4995Mit der Ermordung von Eugen Bolz und Reinhold Frank, Helmuth James Graf von Moltke am 23. Januar 1945 steht dieser Monat daher auch für uns als gläubige Christen als Gedenkmonat, in dem wir der Blutzeugen der Glaubens- und Gewissensfreiheit gedenken. 70 Jahre nach der Ermordung unter anderem dieser Blutzeugen hier in Berlin-Plötzensee durch die Nationalsozialisten und eben auch fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges stellt sich für uns auch heute noch oft die Frage der Schuld und der Verantwortung. Besonders jener Verantwortung müssen wir uns bewusst werden und diese auch in Prozessen der Entscheidungsfindung berücksichtigen – also in unserem Gewissen verinnerlichen. Eine Gewissenentscheidung ist vor allem mit der Bereitschaft verbunden, für seine Überzeugungen persönliche Nachteile sowie ein damit verbundenes Leiden auf sich zu nehmen oder gar dafür sein Leben zu geben.

Persönlichkeiten wie Eugen Bolz lehren uns, dass es sich selbst in den aussichtslosesten Momenten oder Situationen immer lohnt, für seine Werte und Überzeugungen einzustehen. Er hat durch sein Leben und Sterben gezeigt, dass er für seine Werte eingestanden ist. Eugen Bolz wurde am 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar geboren und wuchs in einer katholischen Familie auf. Nach dem Abitur 1900 studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Tübingen, Bonn und Berlin wo er Mitglied der CV-Verbindungen AV Guestfalia Tübingen, der KDStV Bavaria Bonn und der KAV Suevia Berlin wurde. Nach dem Studium war er zunächst als Hilfsarbeiter dann als Assessor der Württembergischen Staatsanwaltschaft tätig und begann dann eine Karriere als Politiker der katholischen Zentrumspartei. 1919 wird Bolz zum württembergischen Justizminister, wenige Jahre später zum Innenminister ernannt. 1928 wählt ihn eine Rechts-Mitte-Koalition zum württembergischen Staatspräsidenten. Am 11. März 1933 wird seine Regierung von den Nationalsozialisten abgesetzt und Bolz als erklärter Gegner der Nationalsozialisten im Juni 1933 für mehrere Wochen in „Schutzhaft“ genommen. Vor dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 stellte er sich als Minister für die Regierung Goerdeler zur Verfügung. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler, wurde er am 12. August 1944 verhaftet, am 21. Dezember 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Der Weg nach Ausschwitz und Plötzensee begann mit der Zerstörung der Demokratie und der Errichtung scheinlegitimer Macht der Nationalsozialisten. Die Machtübernahme war jedoch kein Zufall, kein Betriebsunfall der Geschichte. Vielmehr resultierte er aus der Selbstaufgabe der Demokratie die uns eine Mahnung sein sollte. Wie wir bereits mehrfach während dieses Kongresses gehört haben, ist Deutschland derzeit eine „Insel der Seligen“: Wir haben eine gefestigte Demokratie und einen sehr guten Lebensstandard. Beides ist uns jedoch nicht für alle Zukunft geschenkt, sondern muss jeden Tag hart erarbeitet, gestaltet und mit Leben gefüllt werden. Vielmehr jedoch muss diese Demokratie, für die auch Eugen Bolz gekämpft hat und gestorben ist, verteidigt werden. Wie bitter dies notwendig ist zeigen nicht nur die jüngsten Ereignisse im Nachbarland Frankreich, sondern auch die entsetzliche NSU-Mordserie oder antisemitisch motivierte Gewalttaten die auch heutzutage in Deutschland immer noch zu häufig sind.

Gerade wir als katholische Akademiker und Studenten haben eine besondere Verantwortung uns zum einen der Blutzeugen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu erinnern und uns ihre Taten als Vorbild zu nehmen. Im Blick auf die Vergangenheit ist es nicht nur wichtig, dass wir uns fragen was damals passiert ist und warum? Vielmehr ist es bedeutend die Prozesse des Totalitarismus zu verstehen und uns so der Anfänge zu erwehren.

Dieser Ort und dieses Gedenken sind für uns Auftrag und Verantwortung.“

Im Zweifel für die Freiheit

„Wer wesentliche Freiheit aufgeben kann um eine geringfügige bloß jeweilige Sicherheit zu bewirken, verdient weder Freiheit, noch Sicherheit“ (Benjamin Franklin, 1775).

Am vergangenen Sonntag sorgte eine Mitteilung der Polizeidirektion Dresden für Aufregung in der deutschen Politik und der Medienlandschaft. Darin verkündete der Polizeipräsident eine polizeiliche Allgemeinverfügung, welche alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel am darauffolgenden Montag in der sächsischen Landeshauptstadt untersagte. Damit war natürlich vor allem die PEGIDA-Bewegung („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) gemeint, welche bei ihren montäglichen Demonstrationen in den letzten Wochen und Monaten insbesondere in Dresden vermehrt Zulauf erfahren hatte und zuletzt über 18.000 Menschen aufbieten konnte. Das Verbot beruhte auf der polizeilichen Einschätzung, dass es konkrete Anschlagspläne von Islamisten gebe, die sich unter die Demonstranten mischen wollten um gezielt den Anführer der Anti-Islam-Bewegung, Lutz Bachmann, zu ermorden.

Atem- und Denkpause

Das gestrige, vorläufige Verbot der Demonstrationen, die in den letzten Wochen viel mediale und politische Aufmerksamkeit erfahren haben, verschafft uns auch eine Atem- und Denkpause, in der wir vielleicht nicht unbedingt über den Inhalt, sondern vielmehr über den Umgang mit diesen Demonstrationen nachdenken können. Über den Sinn und Zweck von PEGIDA und ihrer bundesweiten Ableger lässt sich vortrefflich streiten. Ihre offensichtliche Unterwanderung von Neonazis und Hooligans und die offene Benutzung von Wörtern wie „Lügenpresse“, welche direkt aus dem nationalsozialistischen Sprachrepertoire übernommen wurden, diskreditieren die Bewegung und führten zu einer breiten Verurteilung aus Politik und Gesellschaft. Auch der Cartellverband als führender katholischer Akademikerverband hat sich bereits vor Weihnachten in einer Presseerklärung gegen die PEGIDA-Ansichten über eine angebliche „Islamisierung des Abendlandes“ geäußert.

Der Debatte Raum lassen

Andererseits sind das Ausmaß der Demonstration in Dresden (nicht jedoch in anderen Städten) als auch die Beweggründe zu vielschichtig, als dass man die Demonstranten einfach als „Mischpoke“ (Grünen-Chef Özdemir), „Schande“ (Justizminister Maas), „Nazis in Nadelstreifen (NRW-Innenminister Jäger) oder „Chaoten“ (Bundespräsident Gauck) abwerten kann, oder ihnen nach dem Motto „Was ich nicht sehe, existiert auch nicht“ einfach das Licht abdreht. Wie jüngst Untersuchungen der Universitäten Dresden und Göttingen zeigen (die freilich nicht repräsentativ erhoben wurden), geht es bei den Demonstrationen nicht so sehr um die in den Vordergrund gerückte Angst vor Islamisierung, sondern um Abstiegsängste der Mittelschicht. Die Freiheit, die wir in Westdeutschland bereits 1945 bzw. 1949 erhalten haben, gibt es im Osten erst seit 25 Jahren. Freiheit bedeutet Chancen und Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Die Entgrenzung aller Lebensbereiche – ökonomisch, sozial, spirituell – raubt vielen Menschen den Halt und macht sie hilflos. Die Globalisierung bietet fürwahr neue Entfaltungsmöglichkeiten und die Europäisierung war ein zentraler Faktor für den Frieden in Westeuropa nach 1945. Sie fordern aber auch unsere altgewohnten Lebensweisen heraus und stellt uns vor Identitätsprobleme. Sind wir Deutsche, Europäer oder Weltbürger? Wie gehen wir um mit der Rolle als zweitbeliebtestes Einwanderungsland weltweit? Was wichtig hierbei ist, ist dass man der Debatte Raum lässt und sie (natürlich ohne Hass und Fremdenfeindlichkeit) frei führt. Ein reflexartiges Abwürgen dieser Debatte aus Angst vor Deutschtümelei führt eher zu dem, was man verhindern will.

Hier schließt sich dann auch wieder der Kreis zum Demonstrationsverbot. Dieses mag, ob des konkreten Anschlagsverdachts und des aus der Größe der Demonstration resultierenden polizeilichen Notstands, ein recht- und verhältnismäßiger Eingriff in das in Art. 8 des Grundgesetzes verankerte Bürgerrecht auf Versammlungsfreiheit gewesen sein, eine Dauerlösung ist es aber auf keinen Fall. Ein Versammlungsverbot stellt die ultima ratio des Versammlungsrechts dar, und es ist eine der Hauptaufgaben des demokratischen Rechtsstaates, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit mit allen Mitteln zu schützen und zu ermöglichen. Wie es der Spruch von Benjamin Franklin bereits andeutet, ist die Aufgabe der Freiheit vor den Drohgebärden von Gewalttätern jeglicher Couleur bereits der erste Schritt hin zu einer Unfreiheit die letztlich auch eine Unsicherheit mit sich bringt die verhindert werden soll.

PEGIDA ist eine Herausforderung

Die PEGIDA-Demonstrationen stellen uns vor die Herausforderung, dass Freiheit auch bedeutet, vermeintlich missliebige Meinungen zu ermöglichen und zu schützen, solange sie friedlich geäußert werden. Das macht den Kern dieser Freiheit aus und das können wir auch in den Lehren aus der Vergangenheit sehen. Als katholische Couleurstudenten haben wir uns Anfang Januar in Berlin versammelt, um den Blutzeugen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu gedenken, insbesondere den Cartellbrüdern Eugen Bolz (Gu) und Reinhold Frank (ArF), die kurz vor Kriegsende in Plötzensee ermordet wurden. Also katholische Politiker in der Weimarer Republik haben sie sich für die Demokratie und die damit verbundenen Werte wie Menschenwürde und Meinungsfreiheit eingesetzt und dafür mit ihrem Leben bezahlt. Wie der Vorortspräsident Andreas Heddergott (Cpf, Sv) in seiner Rede ansprach, gehört zum Gedenken auch die Reflexion und eine konstante Anpassung an die moderne Zeit. Mit seinen teils sehr zweifelhaften Äußerungen ist PEGIDA eine Herausforderung für die freie Gesellschaft, es ist jedoch eine Herausforderung, die wir aus der Freiheit heraus und für die Freiheit annehmen müssen.

Zum Schluss noch ein weiteres Zitat welches das Leben unserer Cartellbrüder Eugen Bolz und Reinhold Frank sowie vielen anderen Märtyrern im Widerstand gegen (sowohl linken als auch rechten) Totalitarismus charakterisiert und auch uns noch heute, gerade nach den Anschlägen in Paris, Mahnung und Aufforderung ist: „Ich missbillige, was du sagst, aber würde bis auf den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen“ (Beatrice Hall, 1906 über die Einstellung des Philosophen Voltaire).

Kontakt: tobias.ruettershoff [at] cartellverband.de

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